Der Begriff der «Würde» – der gegenwärtig von dem engagierten Neurobiologen Gerald Hüther und der «Würdekompass-Initiative» in die Welt gebracht wird – könnte sich für meine Empfinden zu einem Schlüsselbegriff entwickeln, der in unserer Zeit auf neue Weise Sinn und Orientierung vermitteln kann.

Der Verlust eines Gefühls für Würde – auch überhaupt in dieser Richtung zu denken – und eines entsprechenden zwischenmenschlichen Umgangs scheint mir für unsere Zeit charakteristisch zu sein.

Ob es der Umgang im Bereich der Wirtschaft und des Geschäftslebens ist, Mobbing am Arbeitsplatz, zunehmende Shitstorms im Internet, eine von Populisten verbreitete Haltung gegenüber Geflüchteten, rassistische Ausschreitungen oder überhaupt der Blick auf Menschen, die irgendwo «anders» sind – Würde verletzendes Verhalten hat zugenommen, scheint heute "normal" geworden zu sein. Gleichzeitig ist ein Verlust an geistigen Orientierungen zu beobachten – und hier kann durchaus ein Zusammenhang bestehen.

Und Gerald Hüther hat recht, wenn er feststellt: wer die Würde anderer verletzt, verletzt auch seine eigene Würde. Auch wenn dem Betreffenden das meist nicht bewusst ist – und ein Empfinden der eigenen Würde bei Würdeverletzern in der Regel nicht vorhanden ist.

Das Bewusstsein und Empfinden neu in die Welt zu bringen, was Würde ist und bedeutet – wie sich das Empfinden eigener Würde «anfühlt», und auch, wie es «sich anfühlt», die Würde eines Anderen zu verletzen (= das wieder zu spüren!) – könnte viele Menschen heute auf neue Weise zusammen bringen, auf eine neue Art Gemeinschaft stiften und dem Denken eine neue Richtung geben – und auch Brücken bauen über unterschiedliche Weltanschauungen hinaus.

Denn Würde lässt sich sowohl von unterschiedlichen Weltanschauungen her veranschaulichen und in Worte fassen, aus christlicher oder andersgläubiger Sicht, humanistischer, philosophischer, atheistischer oder agnostischer Lebenssicht als auch aus einer human-menschlichen Sicht, frei von einer bestimmten Lebensanschauung. So könnte ein Eintreten für die Würde eines Jeden, ja auch für eine Würde, die wir auch anderen Lebewesen zugestehen, zu einem heute dringend not-wendigen (= Not wendenden) neuen sozialen und auch politischen Handeln führen. Auch über Parteien und andere ideologischen Grenzen hinaus.

«Würde» aus einer freispirituellen, religionenüberschreitenden Lebenssicht

Wir alle sind Funken der schöpferischen Seinsintelligenz, die wir Gott nennen, auch Allah, Brahman, Tao, der Große Geist oder noch anders. Wir alle – und jedes andere lebende Wesen auch.Der/ein innere(r) Wert – der niemals höher oder geringer sein kann, als bei irgendeinem anderen Wesen, ist die natürliche Folge daraus. Und WÜRDE ebenso.

Anders ausgedrückt : Wir alle sind Kinder Gottes, Töchter oder Söhne der schöpferischen Seinsintelligenz, die wir Gott nennen – auch Allah, Brahman, Tao oder der Große Geist. Wir alle – genauso wie jedes Tier, jede Pflanze, alles was lebt. Daraus folgt ein innerer Wert eines jeden Wesens, der nicht gemessen und einem anderen gegenüber als höher oder niedriger eingestuft werden kann. Eine mit Worten nicht auszudrückende liebens"werte" Kostbarkeit eines jeden Lebewesens. Die aus spiritueller Lebenssicht höher steht, als jede gedankliche Meinung. Tieren und Pflanzen den Status von "Dingen" zu geben, sie nur als "Ware" zu sehen, ist aus einer spirituellen Lebenssicht eine Verirrung.

«Würde» aus einer human-fortschrittlichen Lebenssicht

Wir alle sind Teil und Ausdruck des Einen Lebens selbst, das sich verwirklichen will. Wir alle – und jedes andere Wesen auch. Daraus ergibt sich der/ein innere(r) Wert eines jeden Wesens, den zu missachten ein Vergehen gegen das Leben selbst ist. Daraus ergibt sich auch die/eine Würde eines jeden Menschen und jeden Lebewesens – die zu missachten eine lebensunstimmige "Fehl"haltung ist.

Ein Nachgedanke

Beim Nachdenken über diese Themen wird ein Prozess ausgelöst, wo und in welchen Bereichen überall wir nicht Würde`gerecht miteinander umgehen, uns selbst und/oder andere verletzen. Die Würde gleichgeschlechtlich liebender Menschen beispielsweise wird noch überall in unserer Welt massiv verletzt. Oder die Würde von Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Ein zweiter Gedanke – wir sind alle Menschen, da kommt es vor, dass wir einander kränken oder verletzen.Doch wer ein Empfinden für die eigene Würde und die anderer entwickelt – spürt augenblicklich, wenn er es tut. Und er wird das Bedürfnis verspüren, dem anderen zu sagen: "Es tut mir leid!"

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