Lieber Gerald Hüther,

heute ist es mir ein dringendes Anliegen, Ihnen zu schreiben und zu danken.

Heute Vormittag habe ich wundervolle Stunden mit den Menschen aus meiner Würdegruppe verbracht. Ich genieße das Zusammensein und den Austausch sehr, da uns allen bewusst ist, unter welchem Überbegriff wir uns treffen. Wir sind noch in der Phase des achtsamen Kennenlernens und doch erleben wir jetzt schon eine tiefe Verbundenheit miteinander.

Was ich jedoch noch viel dringender mit Ihnen teilen möchte, ist, was das Thema Würde gerade mit mir und in meinem Leben macht.

Ich habe berührt und begeistert Ihr Buch dazu gelesen. Danke dafür!

Und ich habe es inzwischen auch schon mehrfach verschenkt, da die meisten Menschen, mit denen ich angefangen habe, über dieses Thema zu reden, sehr nachdenklich geworden sind.

Ua habe ich es auch dem 18jährigen Sohn einer Freundin von mir als Dankeschön geschenkt, da er meinem Sohn viele schöne aussortierte Anziehsachen geschenkt hatte. Ich traf ihn dann beim 50. Geburtstag besagter Freundin wieder, wo wir kurz ins Gespräch kamen und er mir begeistert berichtete, dass er das Buch in einem Rutsch durchgelesen und ihn besonders der Gedanke fasziniert habe, dass man ja seine eigene Würde verletze, wenn man die Würde eines anderen Menschen verletze… Ehrlich gesagt war das der Moment, in dem ich wusste, warum ich auf diese Party gegangen bin.

Das war ein einzelner und ich denke auch sehr nachhaltiger Moment.

Das Thema Würde hat jedoch auch einen sehr tiefgreifende Aspekt und dadurch auch Wandel in meinem direkten Leben bewirkt.

Ich habe angefangen, mit meinen beiden Jungs (13 und 10) darüber zu reden, insbesondere in Kombination mit dem Thema Werte, da diese für mich Hand in Hand mit dem Thema Würde gehen. Ein Beispiel aus unserem Leben:

Neulich hatte der Große das O-Saftglas von dem Kleinen einfach ungefragt ausgetrunken, worüber dieser sehr wütend wurde und der Streit ausgelöst war. So haben wir uns dann zu dritt zusammen gesetzt und ich habe die Jungs gefragt, welche Werte denn in dieser Situation verletzt worden sind (es war eines unserer ersten Gespräche zum Thema Würde). Nach kurzem Nachdenken kam vom Großen „der Wert Sicherheit“. Er erklärte, dass sich sein kleiner Bruder nicht sicher fühlen und ihm dadurch auch nicht mehr vertrauen könne, einfach sein Glas stehen zu lassen, wenn er es einfach ungefragt austrinken würde. Dadurch hat sich der Kleine sofort gesehen und verstanden gefühlt, wurde wieder ruhig und friedlich und der Streit war beigelegt. Auf die Frage an den Großen, ob er denn ein Mensch sein wolle, der die Sicherheit eines anderen Menschen bedrohe (und sei es nur in Bezug auf ein „banales“ O-Saftglas), reagierte er total betroffen, weil er sofort verstand, dass er nicht nur die Würde seines Bruders, sondern auch seine eigene Würde damit angegriffen hatte.

Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar, dass Sie dieses Thema (das für mich seit langer Zeit wieder etwas ist, was mich wieder zutiefst berührt und mir in gerade doch etwas herausfordernde Zeiten ein echter Leuchtturm ist) so sehr in den Fokus gebracht haben und weiterhin bringen und „dem Kind endlich seinen Namen wiedergegeben haben“, sprich: ich und auch so manch anderer Mensch, mit dem ich mich darüber unterhalte, einen zusammenfassenden Überbegriff haben. Es hilft mir dabei, wieder den Sinn in allem deutlicher erkennen zu können. Es verändert auch mein eigenes Sein nochmal sehr radikal, weil der Messparameter meines eigenen Handels und Seins „noch schärfer“, noch klarer geworden ist und ich noch schneller Unstimmigkeiten wahrnehme. Gerade in Bezug auf die Kinder ist es manchmal echt beschämend zu bemerken, wie schnell ich als Mutter ihnen unreflektiert was vorschreibe. Zum Glück sind auch sie in ihrer Wahrnehmung noch feiner geworden und spiegeln mir das sehr schnell und deutlich wider, so dass ich innehalten und korrigieren kann.

Ich schreibe Ihnen das alles, weil ich Ihnen von den direkten Auswirkungen in einer „ganz normalen Familie“ zum Thema Würde berichten möchte. Weil ich immer berührt davon bin, wenn ein Impuls von mir nachhaltige Wirkung zeigt… und Ihr „Impuls“, Aufruf, Anliegen zum Thema Würde bei mir/uns absolut nachhaltig wirkt. Weil ich meine Wertschätzung Ihnen gegenüber damit zum Ausdruck bringen möchte. Weil ich gerade einfach sehr dankbar bin…

Mit einem warmen Gruß und Dank, dass Sie sich die Zeit zum Lesen genommen haben,
Annette Sewing

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