Über die ermutigenden Rückmeldungen habe ich mich sehr gefreut (Danke!). Aber es ging mir dabei ja nicht um mich, sondern um die Welt, die wir so gemacht oder besser zugerichtet haben, wie sie ist und in der wir heute leben.

Gleicht sie nicht auf sonderbare Weise einem riesigen Containerschiff, das mit voller Fahrt auf dem Ozean unterwegs ist. Ja, es geht vorwärts, aber wohin? Und wozu? Wir alle sind auf diesem schwimmenden Riesen zur Welt gekommen und die meisten haben dort auch einen Platz gefunden, der ihnen einigermaßen gefällt und haben auch eine Rolle übernommen, die ihnen eine gewisse Bedeutung verleiht. Manchma lkommt ein Sturm. Dann verrutscht die Ladung und ein paar Container fallen ins Meer. Aber anschließend wird alles wieder festgezurrt, das Schiff wieder auf den alten Kurs gebracht und weiter geht`s. Wohin? Wieder vorwärts natürlich.Wohin denn sonst?

Gelegentlich meldet sich jemand wie ich auf diesem Riesenschiff zu Wort und versucht der Besatzung und den Mitreisenden deutlich zu machen, wie fragwürdig dieses ganze Treiben ist. Und es werden auch immer mehr, die einen Kurswechsel fordern.Manche beginnen auch zu ahnen, dass mit einer Änderung der Fahrtrichtung, wenn sie tatsächlich gelänge, noch nichts gewonnen ist. Es bliebe ja immer noch dasselbe Schiff. Wer es verlassen will, müsste bereit sein, seine so mühsam aufgebaute Position aufzugeben und in den kalten Ozean springen um an Land zu schwimmen. Sehen kann man es ja schon von der Reling. Aber wer wagt schon soeinen Sprung ins Ungewisse?

Sicher nicht diejenigen, die dieses sonderbare Schiff auf Kurs halten. Und wer schon lange genug mitgefahren ist und sich an das Leben dort, auch an die gelegentlichen Stürme gewöhnt hat, wird auch keine Lust verspüren, auf offener See und bei voller Fahrt von Bord zu gehen. Übrig bleiben also nur diejenigen,die noch gar nicht so recht mit dem begonnen haben, was diese schon länger Mitreisenden alle schon geschafft haben: die noch unangepassten und deshalb noch sehr lebendigen Jungen. Auch ihnen fällt es nicht leicht und nicht alle schaffen es, dieses schwerfällige Schiff zu verlassen und gemeinsam schwimmen zu lernen.

Warnend erhobene Zeigefinger gibt es genug. Aber sie tun es trotzdem, und sie machen es nun auch anders als die Jugendlichen der Generationen davor. Die wollten damals noch alles zertrümmern, was sie einengte und bevormundete. Nach ihnen kamen welche, denen es ziemlich egal war, was so alles auf diesem Riesenpott geschah, Hauptsache sie hatten genug Spaß und konnten ihr Leben genießen.

Aber jetzt, jetzt wächst eine Generation heran, die bemerkenswert anders ist. Die wollen keinen Krawall machen und auch nicht bespaßt werden. Die regen sich auch nicht mehr so sehr über die anderen Mitreisenden und deren Treiben auf. Die machen sich einfach auf den Weg und fangen an, ihre Zukunft selbst gestalten. Sehr klar, sehr bewusst und mit sehr viel Herz. All jenen, die lieber so weitermachen wollen wie bisher, halten sie einen feingeputzen Spiegel vor die Nase, in dem die sich nur sehr ungern betrachten. Wie Greta aus Schweden den Teilnehmern der letzten Weltklimakonferenz in Kattowitz. Und schon fangen die Mitreisenden an, sich zu rühren. Die Schüler mit ihren Friday-for-Future-Demos und die Wissenschaftler mit einem bemerkenswerten Unterstützungsaufruf.

Sogardie Politiker fangen an, sich zu bewegen. Es geht also, aber das ist erst der Anfang. Richtig spannend wird es, wenn sich diejenigen, die schon länger auf diesem Schuff mitfahren und wichtigen Erfahrungen im Navigieren gesammelt haben, mit denen verbinden, die sich jetzt mit ihrer ganzen jugendlichen Kraft auf den Weg gemacht haben.

Wie das gelingen kann und was dann möglich wird, wollen wir auf einer großen gemeinsamen Veranstaltung am 17. Mai in Hannover erlebbar machen. Dafür konnte ich Simon Marian Hoffmann, den Gründer der Bewegung „Demokratische Stimme der Jugend“ und deren Mitglieder gewinnen. Ihnen geht es darum, endlich ernst mit dem zu machen, was Demokratie wirklich bedeutet. Mir geht es um die Verwicklungen, in die wir alle beim Versuch geraten, unsere Potentiale in unserer gegenwärtigen Lebenswelt zu entfalten. Aber vor allem darum, wie dieser stecken gebliebene Entfaltungsprozess wieder inGang kommt: durch Ent-wicklung. Das hat viel mit der Wiederentdeckung und Bewusstwerdung der eigenen Würde zu tun.

Simon und ich haben Christian Wulff, den Bundespräsidenten a. D. für ein Podiumsgespräch eingeladen, um mit ihm und den TeilnehmerInnen der wichtigen Frage nachzugehen, wie sich beides, die Demokratie und die Würde im Zeitalter der Digitalisierung bewahren lassen. Das alles findet am Abend statt und wird von mir moderiert. Am Nachmittag gibt es einen Workshop, der von den Mitgliedern der „Demokratischen Stimme der Jugend“ als lebendige und sehr konkrete Begegnung gestaltet wird: Zur Kostendeckung brauchen wir für die Abendveranstaltung ein Eintrittsgeld, der Workshop am Nachmittag ist kostenlos.

MehrInfo: www.wuerde-und-demokratie.eu.

Direkter Link zur Anmeldung: www.igtv.de/vortrag

Ich freue mich sehr auf diese zukunftsweisende Veranstaltung und hoffe, dass am 17.Mai von Hannover ein weiterer wichtiger Impuls für einen demokratisch und würdevoll gestaltetes Miteinander ausgeht: nicht als graue Theorie, sondern in Form lebendiger Begegnungen. Nicht mit entweder dem Verstand oder dem Gefühl,sondern sehr bewusst und mit ganzem Herzen.

Also: Meldet euch an und gebt die Info weiter. Je mehr wir sind, desto leichter verwandelt sich dieses Containerschiff in das, was es ist: eine Illusion von lauter Reisenden, die nicht wissen, wohin sie wollen.

Mit einem herzlichen Frühlingsgruß und den besten Wünschen,

Ihr und Euer Gerald Hüther

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