Diese Vorstellung ist tief verwurzelt und eingebettet in die innere Überzeugung von dem, was uns als Menschen auszeichnet und worin unser eigentliches Menschsein zum Ausdruck kommt. Sie bringt das dabei gewonnene, implizite Wissen zum Ausdruck, wie dieses Zusammenleben gestaltet werden müsste, um die in uns Menschen als soziale Wesen angelegten Möglichkeiten entfalten zu können. Diese mehr oder weniger deutlich ausgeprägte Vorstellung wird dann als inneres, orientierung-bietendes Bild genutzt, um das eigene Handeln so auszurichten, dass ein solches Zusammenleben gelingt. Die Vorstellung von der eigenen Würde wird also zu einem wesentlichen Bestandteil des Selbstbildes. Kein Mensch und auch kein anderes Lebewesen kann die in ihm angelegten Potentiale entfalten, wenn er, sie oder es wie ein Objekt behandelt oder benutzt wird. Deshalb wird, wer die Wahrung seiner eigenen Würde und der Würde anderer zur Grundlage seines Handelns macht, nicht mehr auf Kosten anderer leben wollen. Weil sie einen inneren Kompass besitzt, der sie führt, ist eine solche Person auch nicht mehr verführbar.

Jeder Mensch entwickelt im Lauf seines Lebens so einen inneren Kompass, der ihm hilft, sich nicht in der Vielfalt der von außen an ihn herangetragenen oder auf ihn einstürmenden Anforderungen und Angebote zu verlieren. Dazu zählen nicht nur die vielen Verlockungen und Heilsversprechen, die ihm von anderen gemacht werden, sondern auch all das, was jemand als Notwendigkeiten und unabwendbare Gegebenheiten betrachtet, denen er sich, wie er meint, fügen müsse und die er, wie alle anderen auch, zu akzeptieren habe.

Damit eine Person den Mut aufbringt und die notwendigen Kräfte mobilisieren kann, um diesen von außen einwirkenden Verführungen, Angeboten oder scheinbaren Notwendigkeiten zu widerstehen, muss es etwas geben, das in ihr wach wird und aus ihrem Inneren heraus kräftiger und handlungsbestimmender wirkt als die von außen kommenden Vorführungen, Angebote oder scheinbaren Notwendigkeiten. 

Aus neurobiologischer Sicht handelt es sich dabei um ein inneres Bild, also um ein in dieser Situation aktiv werdendes neuronales Verschaltungsmuster, das sehr eng an die Vorstellungen der eigenen Identität gekoppelt und damit zwangsläufig auch sehr stark mit emotionalen Netzwerken verknüpft ist. Es geht dabei um eine innere Vorstellung davon, was für ein Mensch jemand sein will. Für diese Orientierung-bietende, vor jeder Art von Durcheinander im Hirn schützende Vorstellung gibt es diesen wunderbaren, wenngleich fast schon vergessenen Namen: Würde, Dignitas, Dignite, Dignidad, Dignity

Wege, uns zu unterstützen

Wir sind eine kleine gemeinnützige Initiative und somit auf viele helfende Hände angewiesen. Von der eigenen Mitarbeit über Partnerschaften und finanzieller Unterstützung.

Unterstützen